Erst einmal wirklich hinschauen
Ich untersuchte den Fuß gewissenhaft. Danach stand ich mit Stift und Papier da und wusste nur eines: Eine normale Bescheinigung würde das hier nicht werden.

Darf ich vorstellen
Er war nicht geplant. Er ist eher aufgetaucht. Und das Wort „aufgetaucht“ ist dabei kein Zufall.
Die Geschichte lesen
Auf einem familiären Festival kam eine Mutter mit ihrer knapp neunjährigen Tochter zu mir. Das Mädchen hatte sich am Sprunggelenk verletzt. Die Mutter fragte mit gespielter Dramatik, ob ich nicht gleich eine Krankschreibung für den nächsten Schultag ausstellen könne.
Ich untersuchte den Fuß gewissenhaft. Danach stand ich mit Stift und Papier da und wusste nur eines: Eine normale Bescheinigung würde das hier nicht werden.
Während ich überlegte, was ich schreiben könnte, war er plötzlich da: Doktor Boh. Spontan, ein bisschen absurd und erstaunlich passend.
Die kleine Krankschreibung brachte das Mädchen, ihre Mutter und später noch einige andere Menschen zum Lachen. Und irgendwie ist auch Doktor Boh geblieben.
Aus der allerersten Boh-Bescheinigung
“Hiermit bescheinige ich, dass das tolle, lebendige, süße Fräulein … aufgrund unvermeidbarer, einzigartiger tomatenvoller, kartoffelbreiiger und löwenzahnartiger gesundheitlicher Gründe, die nicht abgewandt werden konnnnnnten, die Schule morgen und vllt das ganze Leben lang nicht besuchen kann. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Boh”
Was „Boh“ bedeutet
Im Italienischen ist „boh“ eine ganz alltägliche Antwort: keine Ahnung. Für mich steckt darin inzwischen eine Haltung. Nicht sofort bewerten. Keine schnelle Erklärung über einen Menschen stülpen. Offen bleiben für das, was sich erst im Gespräch zeigt.
Doktor Boh erinnert mich daran, dass Kompetenz und Nichtwissen sich nicht ausschließen. Manchmal beginnt eine gute Antwort mit einem ehrlichen Fragezeichen – und gelegentlich mit ziemlich viel Humor.
Boh ist erlaubt
Es reicht, wenn du spürst, dass etwas nicht mehr passt. Von dort aus können wir gemeinsam weitersehen.
30 Minuten · kostenlos · online möglich